Archiv für März 2013

Bleiberecht für alle! – Aktionstag in Regensburg

Regensburg

Der Mensch, der gezwungen war, vor Zerschlagung, Unterdrückung, Krieg und Hinrichtung in ein anderes Land zu fliehen, ist, in Deutschland angelangt, allen als „Flüchtling“ bekannt. Der große Widerspruch, der heute seine Gedanken beschäftigt, ist seine Erinnerung an Freund_innen, die mit von Siemens hergestellten Mitteln verhaftet wurden und nie wieder zurückkehrten. Es sind Erinnerungen an Menschen, die mit in Deutschland hergestellten Pfeffersprays, Schlagstöcken und Polizeiautos auf den Straßen niedergeschlagen wurden, Menschen, die in Kriegen durch deutsche Panzer und Helikopter umgebracht wurden. Diese Erinnerungen sind deshalb so bitter, weil er einer von ihnen hätte sein können – aber er ist jetzt hier. Diese Erinnerungen gehen durch die Gedanken eines Menschen, der tausende Kilometer durch die geografischen Grenzen hindurch hinter sich gelassen hat. Beschwerliche Wege durch Berge und Meere, die jedes Jahr tausenden Menschen das Leben kosten, wenn sie Grenzwachen und Frontex in die Hände laufen. Grenzen und Wege, die von den Hiesigen gebaut wurden um einzig und allein Öl, Diamanten und Datteln von „dort“ nach „hier“ zu bringen, nicht aber die Menschen von „dort“. Auch er hätte einer von diesen tausenden Menschen sein können, die ertrinken, in Täler abstürzen, von einer Kugel getroffen werden oder auf dem Weg verhungern – aber er ist jetzt hier. Er stammt nicht aus den Diamantenminen Afrikas, er stammt nicht aus den Ölbrunnen Irans, er wurde nicht von den Dattelpalmen des Nahen Osten gepflückt, er ist ein Mensch, ein Vertreter aus den Reihen der unterdrückten Menschen, die auf der Suche nach dem Leben gegen die unterdrückende Ordnung kämpften. Von Ihnen aber ist nur eine kleine Anzahl noch am Leben. Der Name „Flüchtling“ ist ein Widerspruch, denn die Unterdrückten bitten um Zuflucht bei den Unterdrückenden. Er steht in dieser Geografie hinter den verschlossenen Türen der Gesellschaft jenes repressiven Systems, damit auch hier der Abstand zwischen ihm und dem Citizen, dem Status als Bürger, bestehen bleibt, wo er doch erst als Citizen die freie Wahl im Leben hätte. Sie fragen ihn nach dem Grund seines Kommens, obwohl weltweit im Fernsehen die deutschen Panzer, Helikopter, Pfeffersprays und PolizeiBENZautos zu sehen sind. Und nach einer Antwort auf diese Frage bezichtigen sie ihn der Lüge. So einfach ignorieren sie die Realität seiner Welt und zwingen ihn, den Rest seines Lebens als Non-Citizen hinter verschlossenen Türen zu fristen. Vielleicht lassen sie ihm jedoch irgendwann den Durchtritt durch die Tür des Citizen-Werdens, wie bei einer Lotterie, nachdem sie in ihm die Lust am Leben zerstört haben. Oder sie führen ihn nach der erteilten Ablehnung vor Gericht, damit darüber abgestimmt werden kann, ob er es wert ist zu leben? Ein Gericht, dessen größte Pflicht darin besteht, die vorherrschende Ordnung des Systems zu bewahren. In diesem Gericht wurde er fälschlicherweise auf dem Stuhl des Angeklagten platziert. Dieses Mal wird am 30.04.2013 ein weiterer „Flüchtling“ fälschlicherweise auf jenem Platz sitzen und nach Jahren des Kampfes für das Leben auf einem Stuhl verurteilt werden, der so viel wert ist wie 15 Kugeln, die an den iranischen Staat verkauft wurden.

Aktionstag: Bleiberecht für Alle! | 30.04.12 | ab 9.30 Uhr | Regensburg

Für weiter Infos checkt Strike Regenburg.

Für ein weltweites Bleiberecht!